Donnerstag, 25. März 2010

Tränendes Herz

Heute vor 2 Jahren... in den frühen Abendstunden, es war der Dienstag nach Ostern,
hat ein Anruf unser Leben verändert. Bis heute.
Schnell wurde klar, daß es nicht so "banal" war, wie es anfangs aussah.
Sie hatte lange heimlich gelitten. 4 3/4 Jahre lang. Unbehandelt. Hatte es alles mit
sich allein abgemacht und sich für diesen Weg entschieden.
Ungeheuerliches machte sich breit. Selbstvorwürfe unsererseits. Viele kreisende Gedanken um
die letzten Jahre, wo wir alle nichts (oder fast nichts...) bemerkt haben.
Waren die ersten Tage noch etwas Hoffnung da, wurde doch von Tag zu Tag klarer,
daß es "no way out" gibt... kein zurück.... 5 Tage später war es bittere Gewissheit... austherapiert...

.... nie wieder wird sie bei mir anklingeln...
.... nie wieder werden wir gemeinsam Lachkrämpfe bekommen und unmögliche Situationskomik
     erleben...
.... nie wieder gemeinsam Ausflüge machen, picknicken...
.... nie wieder Wohnzeitschriften austauschen, Deko- und Wohngeschäfte durchwühlen
    (unsere gemeinsame Leidenschaft)...
.... nie wieder wird sie mit den Kindern etwas unternehmen, sie mit Aufmerksamkeit
    bedenken...
.... nie wieder durch Gärtnereien stöbern, Plfanzen aussuchen, Spaß haben...
.... nie wieder wird sie für uns da sein...
.... nie wieder können wir jemals für sie da sein.... (waren wir das jemals?)
.... nie wieder sehe ich sie mit ihrem heißgeliebten Twingo um die Ecke biegen...
.... nie wieder ihr zufällig beim Einkaufen über den Weg laufen, sich freuen...
.... nie wieder... diese Liste ließe sich jetzt endlos fortsetzen...
.... nie wieder.... nie wieder - diese Worte hallen auch heute noch nach!!

Schon einen Monat später war sie nicht mehr da. Unwiderbringlich. Auch heute noch immer
unbegreiflich. Haben wir doch "gerade eben" noch gemeinsam gelacht... und von einen auf
den anderen Tag war alles anders, alles vorbei.... Ausgerechnet sie, die sie stets so fit und
mobil und junggeblieben war, musste sich in den letzten Wochen ihres Lebens unendlichen
körperlichen und seelischen Qualen beugen. War von heute auf morgen ans Bett gefesselt,
sie, die sie immer soooo einen großen Freiheitsdrang hatte. Das war nicht gerecht und war
wirklich nicht das "gerechte" Ende. Zudem natürlich viel zu früh.

Die meisten Menschen konnten ihr Handeln bzw. Nichthandeln verstehen... ich glaube, ich
und meine Tochter sind wirklich die einzigen, die das gut nachvollziehen konnten und heute
noch können... wahrscheinlich, weil wir ihr näher waren als andere (männliche Seite der 
Familie)  - wir waren stets die 3-Mädels-Generation, die gemeinsam stets viel Spaß hatten.

Immer noch unfassbar. Immer unvergessen.
2 Jahre ist es her, der Schmerz und die Trauer hat sich vielleicht verändert, ist irgendwie
anders geworden - aber nicht unbedingt besser. Manchmal Wut, oftmals Trauer. Auch
nach 2 Jahren drehen sich die Gedanken täglich ausgiebig um dieses Thema...

Bis heute nachmittag vor 2 Jahren war die Welt quasi noch in Ordnung, ich habe nie mit
diesen Geschehnissen gerechnet.
Oftmals denke ich, ich kann den Film zurückdrehen und jemand hat das falsche Drehbuch
geschrieben. Aber dem ist leider nicht so! Schade.


Kommentare:

  1. Liebe Ann! Deine Worte berühren mich sehr; als wären sie auch für mich geschrieben, selber Zeitraum, ähnliches Schiksal. Unfassbar, unglaulich, UNVERGESSEN! Ein schwacher Trost, doch die Erinnerung lindert manchmal den Schmerz ... liebe traurige Grüsse JoMmm

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  2. Einzigartige Menschen werden immer einen Platz in unserem Herzen haben und unvergessen Gbleiben. anz liebe Grüße von Inge

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  3. Liebe Ann,
    es tut mir so unendlich leid. Ich habe eine Gänsehaut beim Lesen bekommen. Es ist so schwer, einen geliebten Menschen zu verlieren und ohne ihn weiterleben zu müssen.Die Erinnerungen, die Du in Deinem Herzen aufbewahrst, kann Dir niemand nehmen.
    Ich drück Dich, liebe Grüße,
    Coco

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  4. Auch mich berühren Deine Zeilen sehr. Mir Schrecken denke ich daran, wenn meiner Mutti einmal etwas passiert. Sie ist ja in dem Alter, aber es ist immer unvorstellbar. Fast wäre es schon passiert vergangene Weihnachten. Tag für Tag war es ein neuer Schreck, wenn in den frühen Morgenstunden das Telefon klingelte. Man fühlt sich wirklich wie im falschen Film ...

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und Gute
    Sara

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  5. Liebe Ann,
    weil ich gerade noch auf bin, will ich noch schnell antworten. Ja, das mit meiner Mutti war ganz schrecklich und so, als sei ihr letzter Augenblick schon gekommen. Man will es nicht wahrhaben ... bei uns kommt noch hinzu, daß mein Vater schon lange tot ist und keinen angenehmen Tod hatte. Es war die gleiche Krankheit, von der Du sprachst und alles kam für uns so plötzlich und dann war überhaupt nichts mehr zu machen. Er hat nur mein erstes Kind kennengelernt - als Baby. Hab' da auch lange gebraucht, um drüber hinwegzukommen.
    Das mit dem ständig was anderes kenne ich sehr gut und kann das alles nachvollziehen. Aber es kommen ganz sicher auch wieder andere Zeiten. Das Leben ist ein Auf und Ab. Ich wünsch' Dir jedenfalls, daß Du die Talsohle überschritten hast und die Sonne wieder scheint.
    Gute Nacht und lieber Gruß
    Sara

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  6. Wie unglaublich traurig!
    Hoffentlich geht der Tag schnell vorbei. Diese Art Jahrestage sind so grausam.
    Alles Liebe
    Susanne

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  7. Mitgelesen, mitgespürt, miterschreckt- miterkannt, manches kann man nur hinnehmen und muss damit neu anfangen zu leben...

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  8. Deine Worte haben mich sehr berührt und an meinen Verlust erinnert.
    Bitte fühl dich von mir in den Arm genommen.
    Liebe Grüße
    shino

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  9. Liebe Ann,
    deine traurigen Worten berühren mich sehr.
    Der Verlust eines geliebten Menschen ist nicht leicht zu verkraften, was bleib ist die Errinerung.
    Ich drück Dich
    Alles Liebe,
    Eva

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  10. Liebe Ann,
    deine Zeilen haben mich tief im Inneren berührt,erschreckt und wachgerüttelt, dass von einem Moment auf den anderen alles anders sein kann.
    Drück dich fest!!
    Liebe Grüße
    Silvia

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  11. Liebe Ann,

    ich kann *leider*nur zugut nachfühlen wie schmerzhaft und auch wütend man ist ,wenn man wie Du einen geliebten Menschen *verlieren*muß-hergeben muß-loslassen muß...ohne die geringste Chance etwas zu ändern

    Seid dem 28 Februar letzten Jahres,stelle ich mir genauso oft soviele Fragen nach dem WARUM und kann vieles einfach nicht verstehen---so oft ich auch versuche, an etwas Schönes zu denken,diese traurigen,quälenden Fragen holen mich immer wieder ein und die so schönen Erinnerungen und auch die letzten schweren Stunden machen das Herz schwer wie Blei...
    sovieles wird von einem gerissen und die Wunden die zurück bleiben heilen wohl nie wirklich...

    Leider

    ich wünsche Dir ganz viele glückliche und wunderschöne Momente in Deinem -Eurem Leben
    und das die traurigen Gedanken dennoch irgendwann ein wenig verblassen werden

    Alles Liebe
    Momo

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  12. Ach,mensch, sowas ist immer so unendlich traurig.Ich drücke dich jetzt einfach mal ganz doll`!Die allerliebsten Grüße, Petra ♥

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  13. Liebe Ann,

    auch ich bin schon seit vielen Jahren auf der Suche nach dem WARUM?? Und mußte dabei erkennen, daß es auf dieses "warum" keine Antwort geben wird. Bei mir sind es nun 9 Jahre, die ich schon ohne meinen geliebten Papa leben muß... und dennoch kommt es mir vor, als wäre er gestern doch noch da gewesen. Und ich finde es jetzt (da ich zwei Kinder habe) sooooo schlimm und schade, daß er an meinem jetztigen Leben nicht mehr teilhaben kann...

    Liebe Grüße
    Melanie ♥

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  14. Liebe Ann,

    das tut mir so leid für Dich. Für die Zurückgebliebenen ist es immer am Schwersten. Aber Du durftest einen Teil Deines Lebens mit ihr verbringen und daran wirst Du dich immer in Liebe erinnern.

    GGLG Anne

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  15. Liebe Ann,

    ich bin gerade ziemlich fertig, deine Zeilen machen doch ziemlich betroffen.

    Da kann noch so viel Zeit ver- und das Leben weitergehen, die Trauer im Herzen wird immer irgendwo bleiben.

    Nur mach' dir keine Vorwürfe. Ich denke, dass sie sehr wohl gespürt hat, wie nahe ihr euch ward und dass ihre Krankheit nicht der Auslöser dafür sein sollte, dass sich euer Verhältnis zueinander ändern sollte.

    Herzlichst

    Anke

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  16. trauriger, aber zugleich schöner post - denn durch solche gedanken kann sie weiterleben. in und mit dir!

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  17. Liebe Ann, mir fehlen die Worte, ... drück dich ganz fest!!
    Gglg TiniS

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  18. ...nein, eigentlich möchte ich nicht sagen schön oder traurig, mitfühlend oder schrecklich. Ich möchte dich einfach nur fest drücken. Wortlos ohne Kommentar. Liebe Grüße von Tanja

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  19. Liebe Ann,
    ich weiss nicht was ich sagen soll, mir sind beim lesen ganz dicke Tränchen über meine Backe gekullert...
    Ich kann Dir so gut nachfühlen, ich drücke Dich ganz fest!
    Liebe Grüße,
    Nina

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  20. Hm... nee.... es war Gründonnerstag. Bei uns jedenfalls. Und jetzt und gleich und sofort...vor 4 Jahren.
    Zack - vorbei. Aus die Maus... noch Wochen später sah ich im Supermarkt ähnlich aussehende Menschen und war sehr versucht hinzurennen, weil ich ihr was Wichtiges erzählen musste.
    Oder nahm das Telefon, weil mir ein Gedanke kam den ich mitteilen wollte - ach nee, geht ja nicht mehr.
    Ich kann deine Gedanken und deine Trauer sehr gut nachempfinden.

    Das Landei

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  21. Liebe Ann,
    beim Lesen steigen mir Tränen auf.
    Ich kann deinen Schmerz förmlich spüren.
    Oft heißt es, die Zeit heilt Wunden, ich halte das für nicht möglich.
    Vielleicht lernt man einfach nur mit den Schmerz anders umzugehen.
    Ich schicke dir eine feste Umarmung, Lg Polly

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  22. Liebe Ann,
    deine Worte sind mir so ins Herz gegangen und berühren meine Seele. Es tut mir so leid! Ich kann dir garnicht sagen wie sehr!!! Umarme dich und denk an dich!!! Alles Liebe Yvonne

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  23. Liebe Ann, auch mir tränt das Herz, wenn ich deine Geschichte lese, doch ich spüre auch etwas Anderes. Die Frau, von der du erzählst - (habe ich richtig verstanden, dass es sich um deine Mutter handelt?) - ich glaube, sie war eine sehr, sehr starke Frau. Es gehört viel innere Kraft dazu, die Entscheidung zu treffen, sich nicht therapieren zu lassen. Denn heute wird alles zu "therapieren" versucht, herumgeschnippelt und -gezerrt an einem Körper, der sich unter Umständen sogar selbst heilen könnte ... oder an einem Körper, der ohnehin nicht mehr gerettet werden kann. Sie hat sich der ärztlichen Bevormundung entzogen und dadurch womöglich erreicht, dass sie nicht um die Qualität der letzten Lebensjahre gebracht worden ist. Hätte sie das Thema diskutieren wollen, dann hätte sie es getan. Aber sie wollte sich nicht abbringen lassen von ihrer Entscheidung, auch oder gerade von ihrer Familie nicht, denn wer weiß, was dadurch entstanden wäre? Die Menschen, die ihre Entscheidung auch heute noch nicht verstehen können, hätten sie zu ihren Lebzeiten erst recht nicht zu akzeptieren versucht. Ich nehme an, die Frau, von der du erzählst, hat sehr viel Leben und Lebensfreude und Lebensbewußtsein in ihre letzten Jahre gelegt; so wie du sie schilderst, hat sie quasi bis zuletzt gelacht. Ich glaube, sie würde sich wünschen, dass du sie genau so in deiner Erinnerung trägst - als starke, lebensbejahrende, bewußte, lebende, liebende Frau, die "zu essen aufhörte, als es am besten schmeckte". Vieleicht hatte sie nicht so viele Jahre wie andere - doch wenn ich mir manche alte Menschen in dem Krankenhaus ansehe, in dem ich arbeite, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es sooo erstrebenswert ist, so alt zu werden. (Ich arbeite dort übrigens nicht in der Krankenbetreuung, sondern im Büro, aber auch auf diese Weise bekommt man einiges mit...)
    Ich weiß nicht, ob dich meine Worte in irgend einer Weise trösten können, aber ich musste sie dir jetzt einfach schreiben - hoffe, ds war ok. Alles Liebe, ich drück dich, Traude

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  24. Liebe Ann,
    Deine Worte berühren auch mich zutiefst. Ich habe nicht ganz heraus lesen können, um wen es sich handelt. Denke auch, es war Deine Mutter, auf jeden Fall jemand, der Dir sehr sehr nahe stand. Auch ich denke wie Traude. Es war eine sehr starke Frau, so zu handeln. Für die liebenden Menschen ist es natürlich nie leicht, eine solche Entscheidung zu akzeptieren oder gar zu verstehen. Ich verstehe sie sehr gut. Ich wünsche Dir viel Kraft, dass Du irgendwann auch an diesem Jahrestag wieder mit einem Lächeln an sie denken kannst.
    Ganz herzliche Grüße
    Birgit

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  25. Liebe Ann,
    das ist so traurig und es ist einfach oft nicht zu verstehen warum das Leben so ungerecht sein kann.
    Mein Vater ist vor acht Jahren gestorben und ich finde es vor allem so schade, dass er meine Kinder nie sehen konnte und sie ihren Opa nie kennenlernen können :-(
    Fühl dich umarmt!
    Liebe Grüße, Jess

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  26. Zu deinem Kommentar bei mir:
    Es ist etwas fummelig mit der Schere auszuschneiden, wahrscheinlich würde es mit Cutter oder Nagelschere noch besser gehen, oder wenn das Papier etwas fester ist (Fotopapier zB). Aber es ging tatsächlich dennoch recht einfach, ich war selbst erstaunt ;-)
    Liebe Grüße nochmal, Jess

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  27. Deine Worte haben mich eben sehr berührt und mir fehlen die Worte... Ich denke an dich und drück dich ganz fest.
    Liebe Grüsse
    Doris

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  28. Liebe Ann,
    ich kann dir so sehr nachfühlen - auch mich haben deine verzweifelten Zeilen sehr berührt - sie sprechen mir aus der Seele - immer wieder wehrt man sich gegen dieses Endgültige - und verliert doch immer - muss es hinnehmen - ich nehme dich in Gedanken in den Arm - mit den Jahren wird der Schmerz etwas leichter zu ertragen sein - aber vergehen wird er nie - ich schick dir liebe Gedanken voll Kraft und Zuversicht - alles Liebe für dich - Ruth

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  29. Habe deine Worte erst jetzt lesen können...kann nachspüren, nachfühlen...

    Herzlichen Gruß
    artista

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